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... von Florian Danner am 28.07.2011 ...

STOPPSCHILD ALS TOURI-ATTRAKTION

Florian Danner © florian–danner.com Von Tränen der Rührung bis zu Tränen vom Lachen haben wir heute alles erlebt hier in Afghanistan. Wirklich herzzerreißend war da ein Besuch in einem Spital von Cure International, knapp außerhalb von Kabul. Übrigens, ein tolles Krankenhaus, in dem sogar ein Drittel aller Ärzte Frauen sind – was die Behandlung von Patientinnen natürlich wahnsinnig erleichtert, sonst müssen Frauen ja auch wenn sie krank sind völlig verschleiert sein und können von einem Mann auch nur in ihrer Burka behandelt werden. Durch dieses Spital zu gehen und Menschen, vor allem Kinder dabei zu filmen, wie sie nach einer (Kriegs–)Verletzung behandelt werden, war für mich eine harte Nuss. Irgendwie fühlt sich das für mich so an, als hätte ich in diesem Spital nichts verloren, schon gar nicht mit einer Filmkamera. Aber das ist nun einmal mein Job, auch wenn der in diesem Fall ein wirklich schlechtes Gewissen macht und man sich natürlich vor Augen führen muss, dass ohne die Berichte von Reportern niemand auf die tragische Situation aufmerksam würde und die Welt dann auch nichts unternehmen würde. Trotzdem: Gut fühlt sich das nicht an für mich. Und in der Frühgeburtenstation geht das schon sehr tief ins Herz, wenn da so kleine Zwerge im Inkubator um ihr Leben kämpfen und das für eine ziemlich ungewisse Zukunft in einem Kriegsland. Eben wirklich herzzerreißend.
Ziemlich mitgenommen sind meine Kollegen aus Litauen, Italien, Bulgarien sowie Island und ich auch vom Straßenverkehr. Der Verkehrsplaner von Kabul (gibt es sowas?) dürfte ja Kreisverkehre lieben. Das Problem: Kein Mensch hat den Afghanen gesagt, dass man in einem Kreisverkehr nur gegen den Uhrzeigersinn fährt. Demensprechend fahren die Autos dort in der Richtung, in der der Fahrer will. Der Polizist in der Mitte pfeift zwar wie wild, wird aber selten ernstgenommen, weil er keine Waffe hat. Und auch sonst herrscht auf den Straßen Chaos. Sogar kleine Kinder gehen mitten auf der Fahrbahn, weil nur die wenigsten Straßen Gehsteige haben. Resultat: In Afghanistan sterben mehr Menschen im Straßenverkehr als bei Terroranschlägen (obwohls vergleichsweise gar nicht soviele Straßen gibt). Das Highlight im regellosen Straßenverkehr ist aber Afghanistans einziges Stoppschild! Eine Mitarbeiterin der US–Botschaft hat mir erzählt, es steht irgendwo in einem kleinen Städtchen, sie hat es sogar fotografiert, weil es so eine Attraktion für Besucher ist. Es muss sogar bewacht werden, weil es sonst gestohlen würde. Das kleine Problem mit dem Schild: Kein Autofahrer beachtet es und nicht einmal die Polizei selbst stoppt, wenn sie davor steht. Das sagt eigentlich auch alles über Afghanistans Infrastruktur, was darüber gesagt werden muss.

Afghanistan © florian–danner.com

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