Jetzt ist der Kriegseinsatz für mich in Afghanistan auch schon fast wieder vorbei. Wir sind mitten auf der Heimreise und ich hab' noch einmal Zeit für ein paar Zeilen über dieses Abenteuer der letzten neun Tage in Afghanistan. In den letzten Stunden sind meinen Kollegen aus den anderen Ländern und mir noch einmal die wahnwitzigen Gegensätze in diesem Land klar geworden. Auf der einen Seite kämpfen TalibanTerroristen gegen Afghanen und internationale Soldaten, auf der anderen Seite baut die afghanische Regierung gerade an der ersten barrierefreien Moschee für behinderte Menschen. Manche fragen sich: Ist das wirklich so wichtig in einem Land wo der Großteil aller Gebäude zerbombt ist und die meisten gar nicht wissen, ob sie morgen was zu essen haben? Vielleicht ist es aber auch ein erster Schritt zurück zur Normalität für Menschen, die im Krieg so schwere Verletzungen davongetragen haben, dass sie sonst nicht mehr beten gehen können.
Ein anderer Gegensatz ist mir an unserem letzten Abend in Afghanistan bewusst geworden. Mit ein paar AfghanistanKorrespondenten der großen USTVSender haben wir zum Abschied ein Lamm im Garten in unserem gesicherten Hotel gegrillt, dazu hat der Club der afghanischen Auslandsreporter auch eine Band für die kleine Party organisiert. Und als die Musiker dann den CranberriesSong "Zombie" anstimmen, ist das doch fast ein bissl absurd. "With their tanks and their bombs and their guns, in your head, they are fighting", ertönt da bei der kleinen Gartenparty mitten im Kriegsgebiet und viele Kollegen singen und tanzen mit bis auf einmal die Lautsprecher der Band in der Sekunde verstummen, weil wie so oft in Afghanistan wieder einmal der Strom ausfällt. Da wird allen wieder klar: Ja, wir sind selbst mitten drinnen zwischen Tankern, Bomben und Gewehren und eigentlich ist keine Feierstimmung angesagt mitten im Kriegsgebiet. Auf der anderen Seite: Wem hilfts, wenn alle Trübsal blasen vor allem die, die Jahre ihres Lebens arbeitend in diesem Land verbringen?
Ich bin jedenfalls froh, dass ich Afghanistan wieder verlassen darf nach neun Tagen ohne sauberes Wasser und seit den letzten zwei Tagen mit einer Lebensmittelvergiftung freu ich mich auf eine Dusche, wie wir sie in Europa kennen. Pünktlich 100 Tage nach dem Tod von Terrorführer Osama bin Laden und fast zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem Start des AfghanistanKriegs hab' ich eine kleine Beitragsserie über meine Eindrücke aus Afghanistan für die AustriaNews auf ProSieben Austria, SAT.1 Österreich und PULS 4 gemacht. Hier sind zwei davon...