
Wären Sie jemals auf die Idee gekommen, sich mit dem Mörder des amerikanischen Präsidenten in eine Gefängniszelle sperren zu lassen? Verrückt, oder? Ein Amerikaner hat das gemacht. Sein Name ist
Bob Schieffer und er ist eines der bekanntesten TVGesichter der USA ausnahmsweise übrigens einmal nicht bei CNN sondern bei CBS in Washington D.C. Schieffer gilt als sowas wie der Robert Hochner Amerikas, als einer der besten NachrichtenModeratoren aller Zeiten. Obwohl er inzwischen 71 Jahre alt ist, moderiert er jede Woche noch "Face the Nation". Und weil er heute bei CNN zu Gast war, hab' ich ihn kennenlernen dürfen.
Jedenfalls hat er erzählt, wie er in der Gefängniszelle des Mörders von John F. Kennedy gesessen ist. Neben dem Mörder. Und dessen Mutter. Und das ganze am Abend, nachdem der Mord passiert ist. Nein, Bob Schieffer hatte nicht irgendwelche Kontakte zu Polizeichefs, dass ihm das gelungen ist. Und er war auch nicht selbst am Mord beteiligt. Er war zum Zeitpunkt des Mordes einfach in seinem Büro in Texas, als plötzlich das Telefon klingelt und eine Frau fragt, ob sie bitte ein Taxi zum Gefängnis von Dallas haben könnte. Schieffer hat sie gefragt, wieso sie dafür beim Fernsehen anruft. Sie sagt, sie habe sich verwählt, aber sie sei etwas aufgeregt, weil sie gerade im Radio von einem Mann gehört, der den Präsidenten erschossen haben soll und sie glaube, dass das ihr Sohn sei.
Klingelingeling. Nach diesen paar Sätzen hat sich Bob Schieffer binnen Millisekunden entschlossen, doch gerne Taxiunternehmer zu sein. Jedenfalls hat er der besorgten Dame am Telefon natürlich sofort angeboten, sie zum Gefängnis von Dallas zu fahren. Dort hat er die besorgte Dame dann begleitet, eben bis in die Zelle des Mörders. Dass er Reporter ist, hat er natürlich nicht weiter erwähnt.
Damals war Schieffer noch kein bundesweit bekannter TVModerator sondern einfach Redakteur für Polizeigeschichten. Allerdings haben die Wachbeamten im Gefängnis dann doch Verdacht geschöpft und ihn relativ schnell rausgeschmissen. Aber er war der einzige Reporter in den USA, der sowohl ein ExklusivInterview von der Mutter des KennedyMörders hatte, als auch die detailierte Szene als sich Mutter und Sohn im Gefängnis zum ersten Mal begegnen. Heute wäre das so unmöglicht. Aber damals war das der Durchbruch für einen der größten NachrichtenModeratoren der USA.
Heute ist dieser Moderator 71 und will nach dieser Präsidentenwahl in Pension gehen. Das wollte er zwar auch schon nach der letzten, aber irgendwie hat ihn der Arbeitseifer dann doch nicht losgelassen. Aber wer glaubt, dieser Bob Schieffer gehöre trotzdem schon zum alten Eisen, irrt ganz gewaltig. Als wir nämlich das Foto (siehe oben) mit ihm schießen, fragt er ganz einfach: "Könnt' ihr mir das bitte einfach mailen" und zückt sein iPhone aus der Anzugtasche. Wie gesagt, der Mann ist 71 und einer der ältesten TVModeratoren der Welt. Aber das heißt noch lange, dass er auf seinem Blackberry nicht schneller schreiben kann, als die meisten jungen Leute...