
Cool. Voting. Baby. Handy. Bodyguard. Mein Gott, wie lieben wir alle diese englischen Worte, weil wir in Österreich einfach keine besseren Ausdrücke haben. Toll, wählen, Kleinkind, Mobiltelefon und Leibwächter klingt einfach nicht so... cool! Aber wissen Sie, wofür wir im Deutschen dafür das weitaus bessere Wort haben: Öffis, also das was wir als öffentliche Verkehrsmittel bezeichnen. Und das ist ganz Klischee typisch für Amerika, dass Sie für Öffis nur das umständliche Wort "public transportation" oder "mass transportation" haben.
Sechs Stunden Wartezeit war mein Spitzenwert. SECHS STUNDEN! Dazu muss ich aber sagen, dass das beim öffentlichen Verkehrsmittel Flugzeug war und ausgerechnet am 11. September, was eben kein guter Tag zum Fliegen ist. Insofern sei das verziehen.
ABER: Sage und schreibe eine Stunde und 40 Minuten hab' ich vor einigen Tagen auf den Linienbus (!!!) gewartet. Eigentlich sollte diese Linie laut Plan alle 15 Minuten fahren. Nachdem ich mir ja vorgenommen hab' hier in den USA für ein bißchen Umweltbewusstsein zu sorgen, hab' ich mir auch vorgenommen, kein Leihauto zu mieten sondern mit den "Öffis" zu fahren. Aber ich stoße jeden Tag aufs neue an die Grenzen des nicht wirklich vorhandenen "public transportation systems".
Ich kann stolz behaupten, dass noch kein Bus hier in Atlanta, weniger als acht Minuten Verspätung hatte (und ich fahr seit drei Wochen täglich mindestens zweimal mit dem Bus). Seit ich an meinem allerersten Arbeitstag bei CNN hier in Atlanta gleich einmal flotte 40 Minuten zu spät gekommen bin, nehme ich jetzt immer einen Bus früher und plane für eine Strecke, für die man sonst 20 Minuten braucht, zur Sicherheit 50 Minuten ein. Denn wer pünktlich sein will, sollte sich auf das MARTASystem (so nennen sich die "Wiener Linien" hier in Atlanta) also sicher nicht verlassen.
Aber wissen Sie, was dafür meine tägliche Entschädigung für null Verlässlichkeit ist? Eine sehr korpulente, wechselweise in pink oder türkis gekleidete, schwarze Obdachlose. Sie begrüßt mich (und sicher hunderte andere Passagiere auch) täglich an der Haltestelle vor dem CNN Center. Und zwar nicht irgendwie. Sondern mit einem unüberhörbaren, schrillen, marktschreierischen "I love you, honey! I love you!" Da soll noch einer böse auf die Busverspätung sein...